Montag, 12. Dezember 2016

Update aus Kirgistan- Die letzten Wochen im Schnelldurchlauf

Update aus Kirgistan





Die letzten Wochen im Schnelldurchlauf:

19. November -Ausflug zu den heißen Quellen:
  Eine kirgisische Freiwillige entführte uns deutsche Freiwillige nach Issyk Atta. Das könnte man als einen „kirgisischen Kurort“ bezeichnen. Das besondere an diesem Ort ist, das sich dort heiße Quellen befinden. So kam es also, dass wir mit eingefrorenen Haaren ins heiße Wasser hüpften während der Schnee auf uns herab rieselte.  Das Umziehen im Anschluss  war eine Qual!

25. November- Das Laternenfest :
 Mit vielen vielen Vorbereitungen, Proben, Bastelaktionen usw bereitete sich die Schule auf diesen Tag vor, an dem das große Laternenfest stattfand. Eltern und Familie der Kinder waren ebenfalls herzlich eingeladen (Es war jedoch sehr enttäuschend, wie wenig Eltern Zeit finden konnten ihre Kinder an diesem Tag zu unterstützen).  Das Fest begann mit einem kleinen Theaterstück, bei dem ich auch eine Rolle zugeteilt bekam. Es war in den Proben immer wieder sehr stressig für mich, den Schwall an russischen Erklärungen über die Handlung des Stückes zu verstehen.  Mit einigen Pannen überstanden wir dann das Stück (Ich musste als Vogel verkleidet fünfmal deutsche Laternenlieder singen). Im Anschluss passierte alles recht…“zackig“. Hektisch wurden die Tische gestellt, das Essen serviert „Kuschait-kuschait“ (esst esst!) gerufen. Keine 10 Minuten später zogen wir die Kinder an, gingen mit ihnen nach draußen, zündeten die Laternen an und liefen mit der ganzen Schule die Straße auf und ab, deutsche und russische Laternenlieder singend. Dann kamen auch schon die Busse, die die Kinder wieder nach Hause brachten und der ganze Hek-mek der letzten Wochen war mit einem Mal vorbei.  Nachdem wir alles aufgeräumt hatten, setzten die Mitarbeiter*innen und Freiwilligen sich noch einmal kurz zum Reste essen hin. Keiner war so richtig zufrieden mit dem Ergebnis des Festes und alle betonten, dass das „große Nowe god Fest“ (Neujahrs und Weihnachtsfest) besser und besser werden würde.

26.November- Arbeiten in der Wohngruppe:
 Neuerdings haben wir Freiwilligen die Aufgabe, einen Samstag  im Monat in der Wohngruppe zu arbeiten, in der einige Kinder unserer Schule gemeinsam leben. Viele von Ihnen leben dort Tag täglich, weil sie keine Familie mehr haben, oder die Eltern nichts mit ihrem Kind zu tun haben wollen.  Andere wohnen hier nur unter der Woche und werden am Wochenende von ihren Familien abgeholt.  Die Mitarbeiterinnen in der Wohngruppe sind allerdings so sehr mit kochen, putzen etc ausgelastet, dass neben diesen Tätigkeiten keine Zeit bleibt den Kindern die nötige Aufmerksamkeit und Geduld zu schenken.  Deshalb soll ich jetzt einmal im Montag  samstags dort hinkommen und mich mit den Kindern beschäftigen, ihnen einen besonderen Tag organisieren. Als ich am Samstag, den 26. November pünktlich um neun Uhr die Wohngruppe erreichte, wurde ich sofort in den Mädchen Schlafraum gescheucht. Da stand ich dann. In einem Raum in dem drei Mädchen und drei junge Frauen noch tief und fest schliefen. Verloren stand ich da und wartete darauf bis man mir eine Aufgabe zuteilte oder jemand aufwachen würde.  Als das dann nach einer Weile geschah, wollte ich mich nützlich machen indem ich Olga, einer schwerbehinderten Spastikerin beim anziehen helfen wollte. Ich stellte mich wohl nicht allzu geschickt an, denn zwei andere Mädels mussten mir ständig erklären was ich anders machen sollte. Aber woher soll ich denn auch wissen, dass erst die Arme und dann der Kopf in den Pulli gehörte?  Und woher soll ich wissen wie Olga gewöhnlich das Gesicht gewaschen und die Zähne geputzt  bekommt, wenn ich noch nie dabei zugesehen habe?  Beeindruckend während der ganzen Prozedur fand ich jedoch, wie gut Olga sich verständigen konnte und wie deutlich sie mir mitteilen konnte ob ich etwas falsch oder richtig machte. Außerdem halfen die weniger stark Behinderten Olga sehr viel und korrigierten mich, wenn ich etwas falsch machte.
Den Mittag verbrachte ich dann damit, den Bewohnern und Bewohnerinnen einen abwechslungsreichen Samstagmittag zu ermöglichen.  Doch bei der Suche nach Spielsachen musste ich bald feststellen, dass ich nicht viel zur Verfügung haben würde. Zwei Fußbälle waren alles was ich finden konnte. Dabei hätten die Kinder nichts lieber als eine Runde Uno gespielt. Es machte mich sehr betroffen zu sehen, dass die Bewohnenden ihre freie Zeit meistens nur am Handy verbringen können.  Nach zwei Stunden spielerischem Deutschunterricht gingen mir die Ideen aus. Keine Spielsachen, nicht mal Papier oder Stifte waren aufzutreiben. Letztendlich kam mir dann die Idee „Wer bin ich“ mit den Bewohnern zu spielen. Es war zwar sehr kompliziert auf Russisch zu erklären, wie das Spiel funktioniert, aber als wir erst mal mit dem Spiel begannen, haben wir so viel gelacht, dass ich gar nicht glauben konnte, dass es schon Zeit zu gehen war.  Ich habe diesen Mittag in der Wohngruppe sehr genossen und bin schon gespannt was ich die nächsten Male mit den Bewohnern und Bewohnerinnen erleben darf. Wenn jemand hierzu kreative Ideen hat- her damit! (Die Kommentarfunktion müsste mittlerweile eigentlich auch funktionieren..)

03.Dezember: Der dritte Dezember war der Tag der Menschen mit Behinderungen in Kirgistan. Aus diesem Anlass versammelten sich alle Mitarbeiter*innen von Ümüt-Nadjeschda auf dem großen Platz der Stadt, dem Ala-Too. Ausgerüstet mit Rollstühlen und einem Plakat auf dem übersetzt stand : „Wir sind genauso  Menschen wie ihr!“  zogen wir wie in einem kleinen Demonstrationszug auf den Platz, wo ein gedeckter Tisch mit Keksen, Tee und Borsok auf uns wartete. Es wurden natürlich jede Menge Fotos gemacht, viel mehr ehrlich gesagt aber auch nicht.

Die darauffolgende Woche war ich zunächst vollkommen ausgeknockt.  Mit hohem Fieber, Kopfschmerzen und einer fetten Nebenhöhlenentzündung lag ich tagelang im Bett, unfähig irgendetwas zu machen. In allen Bischkeker Schulen war in dieser Woche die Karantäne ausgerufen, was heißt, dass für die Schüler der Unterricht eine Woche ausfallen würde. Ich durfte die  Erfahrung machen zum ersten Mal in ein kirgisisches Krankenhaus zu gehen- und darauf hätte ich auch gerne verzichtet. Bevor man das Krankenhaus betritt, muss man über die Schuhe Plastiksocken anziehen. Sofort wurde ich mit Antibiotika und anderen Medikamenten eingehäuft und ohne mich groß zu Fragen wurde ich einer Prozedur unterzogen, zu der ich eine Woche lang jeden Tag kommen musste.  Auch wenn die Ärztin deutsch sprechen kann, war es für mich immer sehr befremdlich zu ihr zu kommen.  Ständig rannte sie zwischen mehreren Arztzimmern umher, behandelte mehrere Patienten gleichzeitig und ich hatte nie das Gefühl, dass sie mir in irgendeiner Weise zugehört hatte. Ich kam mir ein bisschen wie ein Produkt auf dem Fließband vor. In keinem Arztzimmer fand ich einen Computer vor.  Die Vorstellung mich hier röntgen zu lassen, so wie die Ärztin es eigentlich vorhatte, gruselte mir.
Ich kann jetzt nur hoffen, dass ich nicht allzu schnell wieder zum Arzt muss und freue mich schon richtig morgen endlich wieder bei meinen Kindern arbeiten zu dürfen. Das Krank sein, die Adventszeit, mein Geburtstag..all das machte mir zum ersten Mal ein bisschen Heimweh nach Deutschland und den gewohnten Dingen.  Aber wir geben hier alle unser bestes auch hier eine schöne Weihnachtszeit zu haben. Plätzchen haben wir schon ordentlich gebacken und letztes Wochenende war ein kleiner Weihnachtsmarkt von der deutschen Botschaft organisiert.

Ich sende euch allen ganz viel Gesundheit und hoffe ihr habt eine schöne Vorweihnachtszeit
Bis bald
Eure Lissa


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